Sicherheit versus Rendite
Die Finanzkrise hat die Bundesrepublik voll im Griff - und mit ihr auch die Börse. Die Stimmung ist gedrückt; nach einer aktuellen Forsa-Umfrage, beauftragt durch die Fondsgesellschaft Union Investment, glauben nur noch 32 Prozent der Anleger daran, dass die Aktienkurse wieder steigen. Während der Trend im letzten Quartal 2008 durchaus positiv schien, beginnt 2009 weniger motivierend: Um drei Prozentpunkte stieg die Anzahl derer, die meinen, die Aktienmärkte würden innert des kommenden halben Jahres fallen, auf 37 Prozent. 24 Prozent der Befragten gehen von einer Seitwärtsbewegung aus; im vierten Quartal 2008 glaubten daran 18 Prozent. Ein geschlechterspezifischer Trend lässt sich verfolgen: Glauben nur 24 Prozent der weiblichen Befragten an eine positivere Zukunft, nicken immerhin 34 Prozent der Männer optimistisch.
Laut den Ergebnissen dieser Umfrage habe sich das allgemeine Sparverhalten nicht großartig verändert; nur sieben Prozent der Befragten sparen während der Wirtschaftskrise mehr als vorher und 14 Prozent legen weniger beiseite.
Eines wird deutlich: Ein erneuter Kampf zwischen Sicherheit und Rendite entsteht. Sicherheit, gibt jeder zweite Befragte an, sei wichtiger, als vor der Finanzkrise, allerdings habe sich das Risikoverhalten bei 46 Prozent nicht verändert. Die wenigsten, fünf Prozent an der Zahl, seien bereit, ein höheres Risiko einzugehen. Grund ist natürlich, dass hier eine höhere Rendite erwirtschaftet werden kann. Ebenfalls fünf Prozent empfanden die steuerlichen Vorteile der Geldanlage sehr wichtig, für zehn Prozent seien die Absichten des Gewinns von oberster Priorität, bei 26 Prozent habe die freie Verfügbarkeit einen hohen Stellenwert - und 58 Prozent der befragten Anleger schrieben Sicherheit groß. Damit steht der Sicherheitsaspekt deutlich vor der Rendite.
Nun kann die Börse selbstredend ohne Risiko nicht existieren. Ohne Verluste gäbe es keine Gewinner und damit auch keine Rendite an anderer Stelle. Die drei größten Risiken seien hier noch kurz genannt: Diese Umfrageergebnisse fördern das psychologische Marktrisiko. Gerüchte kursieren, weshalb die Börse von einer Kaufs- oder Verkaufswelle erfasst werden könnte, wenn diese Gerüchte die Runde machen. Verkauft nun jeder Anleger, passiert, was vorausgesehen wurde: Die Kurse sinken in den Keller. Das Dividendenrisiko: Aktionäre schöpfen ihre Gewinne aus den Dividenden der Wertpapiere. Steigen Wertpapiere in ihrem Kurs und schließen mit Gewinnen ab, bekommt der Aktionär seinen Teil vom Kuchen ab. Bei Verlusten ist das nicht anders; sinkt ein Kurs extrem, kann der Aktionär unter Umständen die komplette Dividende verlieren. Das Insolvenzrisiko erklärt sich fast von allein: Als Aktionär investiert man in ein Unternehmen. Geht dieses insolvent, kann der Gläubiger, also der Aktionär, all seine Unternehmensanteile verlieren.